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Was ist Harninkontinenz?
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Rund sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Harninkontinenz, im Volksmund oftmals auch als Blasenschwäche bezeichnet. Für viele der Betroffenen stellt dieses Krankheitsbild trotz eines enormen Leidensdrucks nicht selten ein Tabuthema dar.

Unter Harninkontinenz versteht man einen unwillkürlichen, unfreiwilligen Harnabgang. Dieser unwillkürliche Urinverlust kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, von einigen Tropfen bis hin zu einem permanenten Harnverlust.

Die Deutsche Inkontinenzgesellschaft definiert vier Schweregrade der Harninkontinenz:

  • sporadische Inkontinenz < 10 ml / Stunde
  • belastende Inkontinenz < 25 ml / Stunde
  • schwere Inkontinenz < 50 ml / Stunde
  • absolute Inkontinenz > 50 ml / Stunde

Zudem unterscheidet die Deutsche Inkontinenzgesellschaft verschiedene Formen der Harninkontinenz. Die häufigsten Formen stellen wir Ihnen hier vor.

Arten von Inkontinenz

Belastungs- oder Stressinkontinenz

Charakteristisch für die Belastungsinkontinenz, die oft auch als Stressinkontinenz bezeichnet wird, ist der Urinverlust bei Druckerhöhung im Bauchraum. Alltägliche körperliche Belastungen wie Husten, Niesen, Lachen und Heben schwerer Lasten können zu einem unwillkürlichen und unkontrollierten Urinabgang führen.

Die Ursache für die Belastungsinkontinenz liegt in einer gestörten Schließmuskelfunktion bedingt durch eine Beckenbodenschwäche und nervale Fehlsteuerungen. Die Beckenbodenschwäche kann altersbedingt sein, durch Schwangerschaften und vaginale Geburten, Operationen, beispielsweise an der Prostata oder Gebärmutter, sowie durch eine Bindegewebsschwäche hervorgerufen werden.

Die Belastungsinkontinenz tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf.

Dranginkontinenz (Syndrom der überaktiven Blase)

Plötzlicher, unwiderstehlicher Harndrang, der oft in kurzen Zeitabständen und insbesondere auch bei geringer Blasenfüllung auftreten kann, zwingt den Betroffenen zum sofortigen Aufsuchen einer Toilette. Eine Dranginkontinenz liegt dann vor, wenn die Drangsymptomatik nicht hinausgezögert werden kann und es manchmal zum unwillkürlichen Harnabgang bereits vor Erreichen einer Toilette kommt. Häufiger Harndrang mit ebenso häufigen Toilettenbesuchen in teils sehr kurzen Intervallen (< 30 Minuten) um nur kleine Mengen Urin abzulassen ist ebenfalls zu beobachten.

Ursachen für diese Form der Harninkontinenz können eine kleine Blase, Blasenentzündungen, eine Instabilität des Blasenmuskels aber auch Tumore sein. Die Dranginkontinenz ist die häufigste Inkontinenzform bei älteren Menschen.


Mischinkontinenzen

Belastungs- und Dranginkontinenz können auch in Kombination auftreten. Wenn Sie unter einer überaktiven Blase leiden und zudem eine Störung des Verschlusssystems vorliegt, spricht man von einer Mischinkontinenz. Bei der Therapie werden die vorliegende Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz jeweils separat behandelt.

Überlaufinkontinenz

Übersteigt der Druck in der Harnblase den Druck des Blasenschließmuskels, kommt es zu einem kontinuierlichen, tröpfchenweisen Urinverlust. Man spricht dann von einer Überlaufinkontinenz. Die Blase ist ständig überfüllt und gibt permanent ohne Dranggefühl kleine Mengen Urin ab. Männer sind von dieser Inkontinenzform häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen für die Überlaufinkontinenz können Abflussbehinderungen zum Beispiel durch Harnsteine, Tumore oder Nervenschädigungen sein. Auch eine Prostatavergrößerung ruft öfters einen Blasenauslassverschluss hervor.


Reflexinkontinenz

Eine Querschnittslähmung kann dazu führen, dass die Steuerung der Blasenfunktion über die Nervenbahnen unterbrochen ist. Betroffene spüren dann nicht mehr, wann die Blase voll ist. Die Folge ist ein unwillkürlicher Abgang von Urin in unterschiedlich großen Zeitabständen.

Man unterscheidet zwei Formen der Reflexinkontinenz:

  • supraspinale Reflexinkontinenz: Es liegen Störungen der Hirnleistung vor, wie sie durch eine Alzheimer-, Parkinson- oder Demenzerkrankung oder auch durch einen Schlaganfall hervorgerufen werden können.
  • spinale Reflexinkontinenz: Die Verbindung vom Gehirn zum Rückenmark ist unterbrochen. Ursache ist eine Erkrankung oder Verletzung des Rückenmarkes (z. B. Querschnittslähmung, Multiple Sklerose). Man hat keine Kontrolle über die Blasen- und Schließmuskelfunktion.

Behandlung der Harninkontinenz

Durch gezielte Behandlung kann die Inkontinenz in vielen Fällen beseitigt oder zumindest gebessert werden. Die Behandlung muss individuell angepasst werden – an die Ursache der Harninkontinenz, die Art und das Ausmaß der Beschwerden, aber auch an die jeweilige Lebenssituation.

Manche Inkontinenzformen lassen sich zum Beispiel durch krankengymnastische Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur lindern. Zudem kann eine medikamentöse Therapie helfen. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Operationen zur Wiederherstellung der Beckenboden- und Harnröhrenfunktion oder Beseitigung von Abflussbehinderungen sowie gezieltes Toilettentraining.